Haben die Japaner ein Patent auf Langlebigkeit?

01.09.2021

Die Medizin aus dem Fernen Osten hat heute viele Anhänger. Fast jeder weiß heute, was alternative Medizin, Akupunktur oder Chi-Lebensenergie sind. Die meisten Menschen assoziieren sie jedoch nur mit China. In gewisser Weise ist dies gerechtfertigt, denn die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat ihren Ursprung im Reich der Mitte, aber ihre Erscheinungsformen sind im gesamten ostasiatischen Raum zu finden, einschließlich Japan, einem Land, das für seine Gesundheit und Langlebigkeit bekannt ist. Haben die Japaner also das Patent für ein langes und gesundes Leben entdeckt?

Japan, oder "das Land der Alten

Heute ist die Lebenserwartung in Japan die höchste der Welt und beträgt (nach Daten von 2017) 81,1 Jahre für Männer und 87,3 Jahre für Frauen. Die demografischen Daten sind alarmierend: Sie zeigen, dass im Jahr 2019 die über 64-Jährigen 28,4 % der japanischen Bevölkerung ausmachen, während Kinder unter 15 Jahren nur 12,1 % ausmachen. Das Problem der Überalterung der Bevölkerung ist jedoch allen hoch entwickelten Ländern gemein, zu denen Japan zweifellos gehört. Heute wollen wir jedoch nur ein Teil dieses Puzzles betrachten und überlegen, warum die Japaner so lange leben.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist dies auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die erste und wichtigste ist die Ernährung. Sie ist reich an Meeresfrüchten, Gemüse (die Japaner decken damit bis zu 30 % ihres täglichen Kalorienbedarfs) und Reis und damit recht ausgewogen. Darüber hinaus befolgen viele Menschen in Japan das berühmte Hara hachi bu-Prinzip, was frei übersetzt "80 % voller Bauch" bedeutet. Asiaten essen mehrere Mahlzeiten am Tag, aber in kleineren Portionen, und die verschiedenen Gerichte werden auf mehreren kleinen Tellern serviert. Dadurch wird die Essenszeit verlängert und der Magen hat Zeit, dem Gehirn zu signalisieren, dass er satt ist. Viele Japaner beenden ihre Mahlzeit beim ersten Anzeichen von Sättigung, ohne zu viel zu essen, was die Zelloxidation und die Alterung des Körpers beschleunigt.

Die Asse in Sachen langes, gesundes Leben (u. a. durch ein geringeres Auftreten von Altersdemenz) sind die Bewohner der Insel Okinawa, die weltweit die höchste Zahl von Hundertjährigen pro Quadratmeter aufweist. Warum gerade dort? Ein günstiges Mikroklima, eine gute Ernährung (in Okinawa ist die Diät noch restriktiver als in anderen Teilen Japans, unter anderem weil sie den Salzkonsum drastisch reduziert und etwa 1800-1900 kcal pro Tag beträgt) und eine Kultur der Muße (verstanden als ikigai: das Glück, ständig beschäftigt zu sein) sind nach Ansicht der Einwohner das Geheimnis ihrer Langlebigkeit. Die Tatsache, dass viele Menschen in Okinawa zu Fuß gehen, wenn sie können - und körperliche Aktivität ist bekanntlich sehr gut für die Gesundheit - ist nicht unwichtig.

Japanische Gesundheit

Ein weiteres Element der guten Gesundheit in Japan ist das Gesundheitssystem. Selbst in den kleinsten Städten gibt es gut ausgestattete Apotheken, denen die Menschen "zugewiesen" werden - dort werden ihre medizinischen Unterlagen aufbewahrt und ihr Gesundheitszustand überwacht, so dass sie rechtzeitig auf Abweichungen von der Norm reagieren können. Inwiefern? Wenn ein Patient beispielsweise den zulässigen Taillenumfang überschreitet, hat er Anspruch auf einen Termin bei einem Ernährungsberater und einem Psychologen. All dies soll das Gesundheitssystem in die Lage versetzen, durch Vorbeugung kostspielige Behandlungen für verschiedene chronische Krankheiten wie Herzkrankheiten zu vermeiden. Aus diesem Grund gilt Japan als Land der schlanken und gesunden Menschen.

Auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) trägt zur Gesundheit der Gesellschaft bei. Wahrscheinlich kam sie zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert in das Land der Kirschblüte und hat sich dort seitdem festgesetzt. Heute nutzen die Japaner vor allem die Vorteile der Akupunktur sowie einzigartige Kräutermischungen, die zur Lösung vieler Alltagsprobleme beitragen. Einer der Gründe für diese Entwicklung ist, dass die japanischen Inseln zu schätzungsweise 50 % mit einer endemischen Vegetation bedeckt sind, die nirgendwo sonst (oder nur an sehr wenigen Orten) auf der Welt zu finden ist.

Quellen: Janina Rubach-Kuczewska: Życie po japońsku (Leben auf japanische Art). Warschau, Iskry, 1985. Pałasz-Rutkowska E., Starecka K., Japonia (Japan), Warschau, TRIO Publishing, 2004. Simon Singh, Edzard E. Ernst, Trick or treatment?: Alternative medicine on trial, London: Bantam Press, 2008. Traditional Chinese Medicine: In Depth, NCCIH, 1. April 2009 [Zugriff am 21.09.2017] [archiviert von der Adresse am 03.02.2015]. Monatlicher Bericht über Bevölkerungsschätzungen. Amt für Statistik. [Zugriff 2017-04-21]. https://ncez.pl/